Der Kautschukboom

Als Kautschukboom wird die Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts im Amazonasgebiet bezeichnet. Auf Grund der rasant steigenden Nachfrage nach Kautschuk wurden die tropischen Regenwälder des Amazonasgebietes für die Nutzung des dort wachsenden Kautschukbaums erschlossen. In Brasilien war die Stadt Manaus am Amazonas wichtigstes Zentrum für Produktion und Handel mit Kautschuk. Um 1880 wurde aus dem kleinen Dorf Manaus eine weltweit bekannte und reiche Großstadt. Den Höhepunkt der Extravaganz stellte der Bau des Teatro Amazonas in Manaus dar. Als großes Opernhaus mitten in Amazonien besteht es zu einem Großteil aus importierten Baumitteln, unter anderem italienischem Marmor.

Das Ende des Kautschukbooms wurde dadurch eingeläutet, dass mittels in Amazonien gesammelter Kautschuksamen, Bäume in Gewächshäusern in London herangezogen wurden, welche dann nach Malaysia verschifft wurden. Die Pflanzen, die die Überfahrt überlebten bildeten den Grundstock für sämtliche Kautschukplantagen in Südostasien. 1910 begann der Kautschukpreis zu verfallen und der Kautschukboom endete letztlich komplett mit der Herstellung von synthetischem Kautschuk in großen Maßstab um 1920.

Heute findet Naturkautschuk vor allem Anwendung bei der Herstellung von Flugzeugreifen und Latexprodukten im medizinischen Bereich. Naturkautschuk wird im Amazonas aus dem Kautschukbaum gewonnen. Die auch als Latex bezeichnete Flüssigkeit wird durch das Anritzen der Baumrinde freigesetzt und in Behältern aufgefangen. Im Amazonas wurden nie Kautschuk Plantagen angelegt, weil genügend Bäume auf natürliche Weise vorhanden sind. Unser Guide hat uns die Geschichte des Kautschukbooms erzählt und wir haben gezeigt bekommen, wie man Kautschuk erntet und wie er damals weiter verarbeitet wurde. Die Kautschukmilch ist flüssig und wurde über heißem Wasserdampf zum erhärten gebracht. Es wurden große Ballen hergestellt, die dann per Boot nach Manaus gebracht werden mussten.

Die angeheuerten Kautschuk Arbeiter lebten mitten im Dschungel fern ab jeglicher Zivilisation und waren vielseitigen Gefahren ausgesetzt. Es gibt Schätzungen, dass nur ca. 30% der Kautschuk Arbeiter den Dschungel wieder lebend verlassen haben. Die größten Risiken waren Krankheiten, wilde Tiere und Verletzungen. Der nächste Arzt war mehrere Tage entfernt.

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Rechts sieht man einen Kautschukbaum, der zu Demonstrationszwecken schon öfters angeritzt wurde.

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Mit einem speziellen Messer wird der Baum angeritzt.

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Die Kautschukmilch beginnt zu fließen.

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Sie wird in einem Behälter aufgefangen.

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Es wird eine Glut mit einer Art von kleinen Kokosnussschalen gemacht, dann wird ein Behälter mit einer Öffnung darüber gestülpt. Es wird etwas Wasser in die Öffnung gegossen und dann tritt Wasserdampf durch die Öffnung aus. Die Kautschukmilch wird auf einen Stock aufgebracht, der über dem Dampf gedreht wird. Die Kautschukmilch wird dabei fest und es entsteht nach und nach ein dicker Ballen, der dann vom Stock geschnitten wird. So wurde es damals während des Kautschukbooms gemacht.

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Wir bekommen gezeigt, wie man eine Geldbörse aus Naturkautschuk herstellt. Dazu wird eine Holzform an einem Stock befestigt und mit Kautschukmilch übergossen. Dann wird die Form über den Dampf gehalten, bis die Schicht fest geworden ist. Das ganze wird ca. 10 mal wiederholt. Anschießend lässt man die Form noch einen Tag trocknen, dann kann man den Stock abziehen einen Schlitz in das Gummi schneiden und das Gummi von der Form ziehen.

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Fertig ist die Naturkautschuk Geldbörse. Hier sieht man ein paar der Exemplare.

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Iris hat es auch mal probiert.

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Die Kautschukhütte im Dschungel.

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An diesem alten Kautschukbaum sieht man noch alte Ritzungen aus der Zeit des Kautschukbooms.

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Wir fahren wieder mit dem Boot zurück.

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